Pouillon

Es ist immer wieder toll zu beobachten, welche Dynamik in der Winzer-Champagner-Szene entstanden ist. Einige der Kern-Themen sind Einzellagen-Champagner, biodynamische Bewirtschaftung der Reben, Vergärung mit natürlichen Hefen, Verwendung von oder Verzicht auf Malolaktik bei den Grundweinen, Fassausbau, zum Teil aus Verwendung der Solera-Methode, Verwendung von Naturkorken anstatt der ansonsten üblichen Kronenkorken oder auch der Verzicht auf Dosage. 

Einer der jungen Winzer, der sich mit all diesen Themen schon beschäftigt hat, ist FABRICE POUILLON. Er ist bereits 1998 in den elterlichen Betrieb eingestiegen und konnte somit schon viele Jahre Erfahrungen in Eigenverantwortung sammeln. Seine Champagner haben mich schon bei meiner ersten Verkostung im Jahr 2012 begeistert. Seither sind sie noch finessenreicher und noch besser geworden.

1947 gründete der Weinbergsarbeiter Roger Pouillon die gleichnamige Marke, obwohl er nur einige wenige Weinberge besaß. Heute liegen die Weinberge in Mareuil-sur-Aÿ, Aÿ, Mutigny, Avenay, Tauxières, Festigny und Epernay, seit 2003 zum Großteil unter biodynamischer Bewirtschaftung. Das Durchschnittsalter der Reben beträgt etwa 35 Jahre, verteilt auf die drei Champagner Rebsorten. Eine Parzelle wird mit einem Pferd bearbeitet.

Gelesen wird per Hand und in kleine Kisten. Die Verarbeitung der Trauben erfolgt in einer traditionellen Vertikalpresse. Die Grundweine werden getrennt nach Parzellen ausgebaut. Im Moment werden etwa 70 % der Produktion in Edelstahl oder Emaille ausgebaut, 30 % in Barriques und größeren Eichenfässern, wobei dieser Anteil in den nächsten Jahren auf 50 % gesteigert werden soll. Die in Holz ausgebauten Grundweine werden mit den natürlichen Hefen vergoren. Alle Weine durchlaufen die Malolaktik.


Fabrice Pouillon ist ein unaufdringlicher und gleichermaßen sympathischer Winzer, mit einer offenen Art. Bei Verkostungen könnte man ihn fast übersehen, denn er ist ungewöhnlich normal für die schillernde Champagner-Szene. Er punktet nicht durch einen besonderen Kleidungstil oder eine auffallende Brille, hier sprechen die Champagner für sich. Dabei scheint es, dass die Qualitäten immer noch besser werden. Obwohl der Anteil der im Holz ausgebauten Grundweine steigt, ist das Holz immer besser eingebunden und weniger spürbar, zu Gunsten der Komplexität und Finesse. Auch die mineralische-salzige Komponente kommt immer stärker zum Ausdruck. Generell sind Pouillon Champagner das Gegenteil von Einheitsbrei, sie sind individuell und voller Spannung!

Dass FABRICE POUILLON geniale Champagner vinifiziert, hat sich mittlerweile bis zum Verlag Meininger’s Wine Business International herumgesprochen. Vor kurzem wurden die Einzellagen-Champagner von POUILLON bewertet und gleich zwei Cuvees wurden mit 95 Punkten gleich hoch bewertet wie u. a. die wesentlich teureren Kult-Champagner Taittinger Comtes de Champagne 2008 oder Dom Perignon 2010. Meininger: „Vielfalt mit Herkunft – Fabrice Pouillon aus Mareuil-sur-Ay gehört zu jenen renommierten Winzern, die weit davon entfernt sind, sich gemütlich zurückzulehnen. Jedes Jahr kommen neue, individuelle Champagner aus Einzellagen und sogar Stillweine (Coteaux Champenois) hinzu und erweitern das Sortiment. Die Serie der „Parcellaires“ wurde in diesem Jahr erweitert durch den 2016 Pinot Noir Montgruguet Extra Brut, ein eher maskuliner, beeindruckend dunkel-würziger, ebenso kraftvoller wie spannungsreicher Champagner mit großer Tiefe aus den besten Parzellen von Mareuil-sur-Ay. Ausgebaut wurden die Grundweine wie bei allen Einzellagen in Holzfässern. Damit umfasst die Lagen-Serie nun vier Champagner.“


Peter Liem: "Fabrice Pouillon is moving this estate in an exciting direction, and for anyone interested in terroir-expressive, viticulturally conscientious champagnes, these have become wines that are well worth pursuing."



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